Die hohe Zahl der Saatkrähen ist für viele Menschen in Soest eine erhebliche Belastung. Lärm, Verschmutzungen und Nutzungskonflikte sind real. Ebenso erkennen wir ausdrücklich an, dass die Stadt seit rund 15 Jahren mit erheblichem Aufwand versucht, die Situation durch unterschiedliche nicht letale Maßnahmen zu verbessern.
Dass die Stadt nach neuen Wegen sucht und der Kreis Soest die beantragte Ausnahmegenehmigung voraussichtlich erteilen wird, nehmen wir zur Kenntnis. Unsere politische Bewertung bleibt dennoch eine andere: Die sogenannte letale Vergrämung bedeutet konkret das Einfangen und Töten geschützter Tiere. Dies darf aus GRÜNER Sicht nicht allein deshalb zum nächsten Mittel werden, weil bisherige Maßnahmen nicht den gewünschten Erfolg gebracht haben.
Entscheidend ist für uns die Frage der Wirksamkeit. Bereits im Genehmigungsverfahren wurden Fragen zur Populationsentwicklung, zu Wanderungsbewegungen und zur tatsächlichen Wirkung der Maßnahme aufgeworfen. Auch Erfahrungen aus anderen Kommunen liefern bislang keinen überzeugenden Nachweis dafür, dass die Tötung einzelner Tiere eine große städtische Saatkrähenpopulation dauerhaft reduziert.
Wir wollen deshalb nicht weniger gegen die Belastungen durch die Saatkrähen unternehmen, sondern gezielter. Die bisherigen Maßnahmen müssen konsequent auf ihre Wirksamkeit überprüft und erfolgreiche Ansätze weiterentwickelt werden. Dazu gehören die Reduzierung verfügbarer Nahrungsquellen, geschlossene Abfallbehälter, eine gezielte Lenkung von Brutstandorten und langfristig geeignete Rückzugsräume außerhalb besonders konfliktbelasteter Bereiche.
Wir sehen die besondere Belastung in Soest und erwarten weiterhin konsequentes Handeln. Aber die Tötung von Saatkrähen ist für uns kein Mittel der Wahl. Unser Ziel muss eine wirksame Reduzierung der Konflikte sein, nicht die Tötung von Tieren um ihrer selbst willen.