Längeres gemeinsames Lernen von Klasse 1 bis 10: GRÜNE wollen neues Schulmodell ergebnisoffen untersuchen. Ratsmehrheit verweist Antrag in den Schulausschuss.
Soest. Die GRÜNE Ratsfraktion möchte prüfen lassen, ob eine Primusschule eine sinnvolle Ergänzung der Soester Schullandschaft sein könnte. Der entsprechende Antrag wurde im Rat mehrheitlich in den Ausschuss für Schule und Weiterbildung (ASW) verwiesen. Lediglich die Bürgergemeinschaft (BG) und die SO! Partei unterstützten neben den GRÜNEN die Forderung nach einer unmittelbaren Bearbeitung.
Was ist eine Primusschule?
Was ist eine Primusschule?
Eine Primusschule verbindet Grundschule und weiterführende Schule unter einem Dach. Kinder lernen von der ersten bis zur zehnten Klasse gemeinsam und müssen nach der vierten Klasse nicht die Schule wechseln. Das Konzept setzt auf längeres gemeinsames Lernen, individuelle Förderung und mehr Chancengerechtigkeit. Ein wichtiges Ziel ist es dabei auch, möglichst viele Schülerinnen und Schüler zu einem erfolgreichen Schulabschluss zu führen. Gerade angesichts der wachsenden Diskussion über Jugendliche, die ihre Schulzeit ohne Abschluss beenden, könnte dieses Schulmodell eine interessante Perspektive bieten. In Nordrhein Westfalen gibt es bereits fünf solcher Schulen. Das Land plant, die Gründung von bis zu sechs weiteren Primusschulen zu ermöglichen.
„Uns geht es ausdrücklich nicht darum, jetzt die Einrichtung einer Primusschule zu beschließen. Wir wollen zunächst wissen, ob dieses Schulmodell für Soest eine sinnvolle Perspektive sein könnte. Dafür brauchen wir belastbare Fakten zu Bedarf, Voraussetzungen und möglichen räumlichen Lösungen“, erklärt Tim Neumann, schulpolitischer Sprecher der GRÜNEN Ratsfraktion.
Zeitplan der Schulentwicklungsplanung entscheidend
Kritisch sehen die GRÜNEN die Verweisung ihres Antrags in den Ausschuss für Schule und Weiterbildung. Der ursprünglich für September vorgesehene Ausschuss wurde auf den 13. Oktober verschoben. Dort soll bereits der Schulentwicklungsplan beraten werden.
„Wenn wir die Möglichkeit einer Primusschule ernsthaft in die Schulentwicklungsplanung einbeziehen wollen, brauchen wir die entsprechenden Informationen für diese Beratung und nicht erst danach. Eine Verweisung in genau den Ausschuss, der bereits über den Schulentwicklungsplan beraten soll, löst dieses zeitliche Problem nicht“, so Neumann.
Prüfung bedeutet keine Investitionsentscheidung
Auch mögliche finanzielle Auswirkungen sind aus Sicht der GRÜNEN kein Grund, eine grundsätzliche Prüfung auszuschließen. Der Antrag beinhaltet weder die Gründung einer neuen Schule noch einen Beschluss über einen Schulneubau oder konkrete Investitionen.
„Über Standorte, räumliche Lösungen und finanzielle Auswirkungen kann erst sinnvoll gesprochen werden, wenn die grundsätzlichen Voraussetzungen und der tatsächliche Bedarf geklärt sind. Eine Prüfung bedeutet noch lange keine Entscheidung für eine bestimmte Lösung“, betonen die Fraktionsvorsitzenden Anne Richter und Christian Eckhoff.
Die GRÜNEN bedauern, dass der Rat ihrem Vorschlag einer unmittelbaren Prüfung nicht gefolgt ist. Für die Fraktion gehört es zu einer verantwortungsvollen Schulentwicklungsplanung, auch neue Bildungsmodelle ergebnisoffen zu betrachten.
„Wir müssen nicht jede neue Idee sofort umsetzen. Aber wir sollten bereit sein, ihre Möglichkeiten und Grenzen sachlich zu untersuchen. Gerade bei langfristigen Entscheidungen über unsere Schullandschaft brauchen wir Offenheit und belastbare Entscheidungsgrundlagen“, erklären Richter und Eckhoff.
Für die GRÜNEN bleibt deshalb die zentrale Botschaft des Antrags bestehen:
„Erst die Fakten. Dann die Bewertung. Und dann die Entscheidung.“