Bunt statt Braun

Soester demonstrieren gegen „Polittourismus“ der AfD
130 Teilnehmer bei Mahnwache vor dem Lokal „Rübezahl“

VON KLAUS BUNTE
Soest – Als Werner Liedmann von den Grünen zum Mikrofon greift, um ein kurze, knappe Ansprache zu halten, wird die Lautstärke der Schlagermusik auf der Terrasse der Gaststätte „Rübezahl“ ordentlich aufgedreht.
„Ich bin ungeheuer froh, dass wir so viele sind“, setzt Liedmann an, „130 Soesterinnen und Soester, die sich spontan zusammengefunden haben, um dem braunen Spuk, der sich hinter den Mauern dieser Kneipe abspielt, zu zeigen, dass er hier unerwünscht ist, unerwünscht! Wir brauchen keine Menschen, die Ihre braune Gesinnung hierher exportieren, das können sie gefälligst zuhause tun.“
Die Musik wird noch einmal etwas lauter. Diesmal Roger Whittaker, ein radebrechender Brite, der vermutlich bis heute kein Wort dessen versteht, was ihm seine Autoren auf deutsch vortexten, mit „Albany“, ein anderer Name für Schottland, das gegen den nationalistisch geprägten Brexit stimmte. „kein problem, wir können noch lauter“, meint Liedmann. Die Demonstranten setzen Roger Whittaker ein lautes Pfeifkonzert entgegen.
Alle gegen einen, könnte man meinen. Drinnen im Rübezahl eine einzige Partei, auf der Straße nahezu alle anderen. Ein wesentlicher Unterschied: Draußen die Soester, drinnen die Sauerländer. Ob die AfD Hochsauerlandkreis nirgends willkommen war in den unendlichen Weiten ihrer 2000 Quadratmeter großen Heimat? Jedenfalls hat das Rübezahl, an der Niederbergheimer Straße stadtauswärts rechts gelegen, ihr Tür und Tor geöffnet, damit sie ihren Kreisparteitag abhalten kann.
Gegen diese Form des „Polittourismus“ wendet sich das partei- und gewerkschaftsübergreifende Bündnis aus SPD, Grünen, Linken, DKP und IG Metall. Nur die CDU lässt sich nicht blicken. Auch Vertreter der andern Sauerländer Fraktionen wirken mit, wie der Arnsberger Grünen-Sprecher Jan Ovelgönne. „Schade, dass aus meiner Stadt so wenige da sind,“ meint ein Lippstädter SPD’ler. Um den Hals trägt er ein Schlüsselband mit der Aufschrift „Kein Sex mit Nazis“.

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