Wo ein Wille ist, ist auch ein Wall

Wie erreicht man die „schweigende Mehrheit“ am besten, wenn es um die Wälle geht, die schließlich alle Soester angehen? Verwaltung und Planer wollen auf vielen Kanälen funken, um für die weiteren Gespräche im Rahmen eines Wallentwicklungskonzepts ganz Soest zu interessieren.

SOEST – Das ist schon einmal eine klare Aussage der ersten Gesprächsrunde zu einem großen Unterfangen. Am Donnerstagabend trafen sich Interessierte zur Ideensammlung im Blauen Saal. Wie sind die Wallanlagen, welche Chancen bieten sie, was wünschen Soester sich für die Zukunft? Ruheraum und idyllischer Rundweg zum Flanieren und Spazieren oder Freizeitpark mit vielen Begleitangeboten, so dass man schon fast Eintritt nehmen könnte? Was wird aus dem „historischen Schussfeld“, dem Bereich zwischen Gräfte und Binnerwall? Soll’s naturbelassen bleiben – mit ein paar kosmetischen und gärtnerischen Eingriffen, mit ein paar Tütenboxen für Fiffis Hinterlassenschaften?

Oder darf’s vielleicht noch ein Hotel mehr sein: Auf der Bastion am Jakobitor wäre ein idealer Standplatz, wie der Soester Architekt Bernd Grüttner schon einmal auf einer Hochglanz-Ausarbeitung präsentierte. Die Idee dazu hatte Grüttner übrigens schon vor 20 Jahren entwickelt.

Gibt es an der Schonekindbastion demnächst viel Platz für die Mittelalterfreunde, zu proben, sich zu präsentieren und die Stadt mit allerlei Firlitanz zu bereichern? Oder wachsen demnächst rote Rüben, Schwarzkohl und weiteres buntes Gemüse auf den Wällen? Essbare Landschaften, ein Konzept aus Andernach, gehörten ebenfalls zu den Ideen, die mit im großen Topf landeten, der sich mit den Ergebnissen halbstündiger Gesprächsrunden in unterschiedlichen Arbeitsgruppen zu Fragen von Kunst und Kultur, Jugend, gestandener Jugend und Senioren, von Soestern mit und ohne Handicaps, zu den Bäumen auf den Wällen und zu bürgerschaftlichem Engagement füllte.

Wer war da? „Die, die sich immer beteiligen“, so hieß es etwa in der Arbeitsgruppe „Bürgerschaftliches Engagement“.

Dort wurde besonders deutlich formuliert, dass die Wälle alle Soester angehen und deshalb auch alle Soester irgendwie erreicht werden sollen. Damit sie dann entscheiden können, ob sie sich aktiv einbringen oder sich lieber zurücklehnen wollen.

Und vor allem eines forderte Roland Maibaum (SPD) sowohl in der Arbeitsgruppe als auch im Plenum: Konkrete Projektbeschreibungen, deutliche Vorgaben und Spielregeln. Kein Wischiwaschi, dass hinterher bei der Umsetzung klar am Bürgerwillen vorbeigehe, wie etwa bei der Gastronomie im Theo-Park. Da sei ja wohl etwas völlig fehlinterpretiert worden.

Neben einem echten Grüttner, der zwar erst auf Anzeiger-Initiative nach der Veranstaltung entrollt wurde, gab es auch ein weiteres Original zu bestaunen: Ein Teilnehmer hatte eine Bleistiftskizze eingereicht und wurde recht konkret: Auf den Wällen bitteschön demnächst die Bäume nicht mehr an die Mauerkrone, sondern auf die der Mauer abgewandte Seite pflanzen. Ein bisschen Strauchschnitt hier und da täte der Optik ebenfalls gut, hieß es aus dem Plenum.

Dem freien Blick auf eine schöne Stadt wäre das sicher auch zuträglich, ebenso wie feinerer Split an den Stellen des Weges, die kürzlich ausgebessert wurden, ein paar Leuchten mehr, weniger Müll und Vandalismus.

(Bericht aus dem Soester Anzeiger)

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