Alle Vöglein sind schon da: Nester der Saatkrähen im Lahrer Westen. Foto: SEBASTIAN KAISER

Krähentourismus in Lahr

LAHR. Das Thema Saatkrähen beschäftigt viele Bürger und Gemeinderäte, nicht nur in Lahr. Fast überall schlagen die Emotionen hoch, liefern sich wie in Lahr Befürworter und Gegner der Saatkrähen-Kolonien zum Teil heftige Wortgefechte und Leserbriefdebatten. Eine Delegation der Grünen aus dem westfälischen Soest hat am Sonntag Lahr besucht, um sich über die hiesigen Lösungsvorschläge zu informieren.

Aufmerksam geworden war Werner Liedmann, Vorsitzender der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Rat der Stadt Soest, auf die Parallele zu Lahr durch die von der Stabsstelle Umwelt herausgegebene Broschüre „Saatkrähen in Lahr“, aus der im Soester Stadtrat zitiert worden war. Am Sonntagnachmittag begab sich die fünfköpfige Soester Krähen-Delegation mit den Mitgliedern der Lahrer Grünen-Gemeinderatsfraktion Claus Vollmer, Dorothee Granderath und Sven Täubert sowie Alfred Schleimer und unter fachkundiger Leitung von Udo Baum vom Naturschutzbund auf eine kurze Tour zu den Brutgebieten der Krähen in Lahr.

Mit dabei waren auch Beate und Juan del Solar, die – obwohl Anwohner – für die Krähen Partei ergreifen. Schmutzbelastung und Krähen-Gekrächze finden die beiden nicht so schlimm, vielmehr freuen sie sich über die Beobachtung der klugen Vögel, die sich weder durch rot-weiße Absperrbändel noch durch mehrmalige Nestentfernungen von ihren Brutgebieten abbringen lassen.

Diese Erfahrungen hatte man auch schon in Soest gemacht. Auch dort liegt das Problem nicht in den Krähenkolonien selbst, sondern daran, dass in den vergangenen Jahren diese in Wohngebiete umgezogen sind – vor allem, weil sie aus den landwirtschaftlich genutzten Gebieten vertrieben wurden. In Lahr hängt der Umzug der Saatkrähen in das Stadtgebiet vor allem mit Baumfällaktionen in den Außenbereichen zusammen.

Als Beispiel zeigte Udo Baum die Raiffeisenstraße, wo vor Jahren kernfaule Pappeln entfernt werden mussten, damit keine Äste oder ganze Bäume auf die Bahngleise fallen. Ganz in der Nähe siedelt noch eine Kolonie Saatkrähen. Das Angebot auf der gegenüberliegenden Straßenseite, bei dem in Platanen mit Brotkörbchen zum Nestbau angeregt werden soll, nähmen die für ihren Nestbau durchaus wählerischen Tiere jedoch nicht an. Auch Nestversetzungen hatten bislang keinen Erfolg. Das Kernproblem, dass die Tiere nur sehr hohe Bäume annehmen und diese nicht rechtzeitig nachgepflanzt worden waren, beschäftigte die Delegation auch an der Saatkrähenkolonie in Mie-tersheim. „Was wird hier für die Standorterhaltung getan?“, fragte Liedmann nach, und Udo Baum verwies darauf, dass noch Überzeugungsarbeit geleistet werden müsse, damit an den Plätzen, wo die Saatkrähen störungsfrei leben, rechtzeitig für Nachpflanzungen gesorgt wird.

Am Montag gab es ein Treffen der Delegation mit Bürgermeister Langensteiner-Schönborn und dem Umweltbeauftragten Manfred Kaiser. Claus Vollmer betonte, dass die Aktivitäten der Stadt bezüglich der Saatkrähen auf ihre Effizienz hin kritisch überprüft werden müssten. Die Frage sei, in welchem Verhältnis der finanzielle Aufwand für die Vergrämungsversuche zum erreichten Ergebnis steht.

Info: Im Internetauftritt der Badischen Zeitung hat sich inzwischen mit 22 Beiträgen eine rege Debatte über den Umgang mit Saatkrähen entwickelt:http://www.badische-zeitung.de

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